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Ortsgeschichte von Siedlinghausen



Vorgeschichte  -  Entstehung  -  Handel/Gewerbe  - Kirche  -  Entwicklung des Dorfes


Vorgeschichte

Die Urbevölkerung des Sauerlandes waren die Kelten. Diese wurden von den Germanen ver­drängt. Der mächtigste Stamm der Germanen, die Sugamber, wohnten in unserem Gebiet. Sie gaben wahrscheinlich dem Sauerland den Namen: Surland = Sugerland = Sugamberland.

Im 7. Jahrhundert bemächtigten sich - von Norden kommend - die Sachsen, der Stamm der Engern, unserer Heimat. Nach der Niederwerfung der Sachsen durch Karl den Großen (eine entscheidende Schlacht fand 778 zwischen Liesen und Battenfeld statt) stand der Christianisierung des Sauerlandes nichts mehr im Wege.

Im Negertal scheint sich jedoch das Heidentum noch weiter behauptet zu haben. Wir finden hier noch Flurnamen, die auf heidnische Kultstätte hinweisen: An der Hamekebieke (Hainbeke) der Wiggeknuaken", Wigge =Wiehe = Heiligtum - Knocken (keltisch) = Hügel. Auf Rebbers Ländern, im freien Feld, die "hilge Eike" (Gilgegaike). Um 1930 wurde die hier stehende Baumgruppe entfernt. Der "Meisterstein" - vom althoch- deutschen meitzan = spalten, schlachten - also Opferstein.

Unweit vom Meisterstein ist der "Schergenberg" (die Henkerstätte), heute Laubknochen. Unterhalb davon der "Assauwer" = Aasufer. Gleich daneben wohnte der Henker im alten "Henkenhaus". Wogegen der Wiese = Weise, Richter, auf der nörd­lichen Seite des Schergenberges seinen Wohnsitz hatte.

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Entstehung  

Der Ursprung des Namens Siedlinghausen ist entweder von "Selihus" oder "Sedelhof" abzuleiten.

Bei den Germanen bedeutete "Selihus" das Haus des Mächtigen, welches auf dem "Steinklef" (Steinklev bedeutet Burg auf dem Hügel)gestanden hat und an dessen Fuß sich dann das Dorf Siedlinghausen gebildet haben könnte. Wahrscheinlicher ist jedoch die Ableitung von "Sedelhof". Um 800 waren die Franken, unter Karl dem Großen, hier die Herren im Lande. Bei den Franken hieß der Herrenhof "Salhof" oder "Sedelhof".

Im Negertal muß also in dieser Zeit ein solcher Herrenhof, solch ein Sedelhaus gestanden haben.

Dieses Sedelhaus hat unserem Dorf den Namen "Sedel-in-hausen" gegeben. 1314 wird Siedlinghausen im Güterverzeichnis des Klosters Meschede zuerst urkundlich genannt. Wir lesen da und einige Jahren später auch in anderen Urkunden:

"Selinchusen - Sielinchusen - Sedelinchusen".

Siedlinghausen bedeutet also der Sitz des Edeling, des Adeligen. Siedlinghausen kann also, der Ableitung des Namens zufolge um 800/900 entstanden sein, aber über diese Zeit liegen keine Aufzeichnungen vor. Wie schon erwähnt, wird Siedlinghausen zuerst 1314 genannt. Zu dieser Zeit gehörten zu Siedlinghausen sieben Marken und Fluren, auf denen Dörfer oder Bauernschaften entstanden waren.

Das waren zunächst Siedlinghausen selbst und Wolferinghausen (Wolfhagen), also der Grund und Boden, auf dem unser Dorf jetzt steht. Ferner unter dem Dorfe, an der Hamekebieke, die Mark Frielinghausen, diese kam später zu Brunskappel. Über dem Dorfe, in der Rinderweide, lag das Dorf Renninghausen, etwas darunter die Rommecker Mark mit dem Dorf Neger (bei der Negerkirche) und ferner Rollinghausen, östlich von der Birau (am Steinberg) sowie Remlinghausen unter dem Hömberg, an der Mündung der Birau.

Diese letzten vier Dörfer bzw. Bauernschaften waren um 1550 wieder eingegangen; die Bewohner nach Siedlinghausen oder Silbach verzogen.

Das Adelige Haus Siedlinghausen hat in der Geschichte des Dorfes eine große Rolle gespielt.

Das Sedelhaus, welches dem Dorf den Namen Sedelinchusen gegeben hat, wird aller Wahrscheinlichkeit nach der "Baumhof" (Böhmers = jetzt Schniederjost) gewesen sein.

Das Adelige Haus Siedlinghausen - der "Hof" stand um 1300 am Potthof (bei Hanses und Junkernhäuschen). Auch der Baumhof und der Burbrauk gehörten dazu, er hatte einen Freistuhl, eine Gerichtsstätte. Die Namen "In den Zäunen" und "Im Schling" erinnern uns noch daran.

Dieses Adelige Haus kam 1370 in den Besitz der von Gaugreben. Doch schon 1380 (nach Heirat mit Iliane von Grafschaft) baute der neue Besitzer ein neues Haus in der Wolfringerhauser Mark, auf dem Wolfhagen.

Hier verwalteten die von Gaugreben nun das Gut Siedlinghausen über mehrere Jahrhunderte hinweg, oft in Fehde liegend wegen Grenzstreitigkeiten und Rechten mit den Einwohnern des Dorfes und fast immer verschuldet.

Ab 1657 kam durch Erbfolge (die männliche Linie war im 30jährigen Krieg ausgestorben) der Vogt von Elspe in den Besitz des Gutes.

Ab 1750 bis 1810 waren die von Vincke Besitzer, ebenfalls durch Erbfolge. Wegen der Besitzrechte wurden langjährige Prozesse mit den Landesfürsten geführt.

Das Gutsgebäude hatte nach dem Neubau 1657 wohl die größten Ausmaße. Es war nach außen hin großartig. Drei Türme verbanden die Gebäude an den Ecken, mit großen Torbogen und Innenhof. Die vorbeifließende Lamelofe lieferte das Wasser zu einem Graben, der das Ganze umgab. Innen jedoch war das Gebäude ohne Halt, denn die Mauern waren mit Lehm, statt Mörtel gebaut.

Im Jahre 1810 wurde der Gemeinde Siedlinghausen das Gut für 13 000 Taler zum Kauf angeboten. Die Mehrzahl der Gemeinderäte war zwar für den Kauf, doch einer der drei Bürgermeister, der Megger, sträubte sich dagegen und setzte sich durch. Das Gut wurde für 18 000 Taler an den Freiherrn Friedrich Leopold von Fürstenberg verkauft. Der neue Besitzer ließ das schon längst baufällige adlige Haus völlig abbrechen. 1931 umfaßte das Gut 225 ha Kulturland und 925 ha Wald.

1753 Wegen Grenz- und Rechtsstreitigkeiten des Gutes mit den Bewohnern des Dorfes und den angrenzenden Gemeinden und Besitzern wurde ein mehrtägiger, großer Schnadezug durchgeführt. Nach dem Schnadezug wird eine genaue Aufstellung über den Besitzstand und die Rechte des kurfürstlichen Lehens Siedlinghausen gemacht und am 6. Februar 1754 dem kurfürstlichen Hofrat zu Bonn überreicht.

1773 Wurde Blaufuß .(Watermanns), ein Fachwerkhaus, als erste Vikarie gebaut.

1852 Der Gemeinderat stellt ausdrücklich fest, das Gemeindevermögen gehöre lediglich den 43 Solstättenbesitzern. Die Neubauern und Zugezogenen dürfen kein Vieh mehr zur Weide treiben, außer wenn ein Weidegeld von 3 Talern je Rindvieh, 10 Silbergroschen je Schwein, 6 Silbergroschen je Schaf und Ziege jährlich gezahlt wird. Trotzdem versuchten 15 Ortseingesessene mit Gewalt, ihr Vieh vorzutreiben, gegen die Klage erhoben wurde.

1853 Bei der Separation von 1853 bis 1859 waren 102 Interessenten beteiligt. Hütungsrechte und Nutzungsgerechtigkeiten auf der Feldmark Siedlinghausen wurden geklärt. Die Grenze nach Niedersfeld war zum Teil ungenau, sie wurde festgelegt und versteint. Die Feldmark Siedlinghausen, bestehend aus 16 Fluren, ist 8077 Morgen groß und hat einen Wert von 120 491 Talern.

1856 Siedlinghausen kommt zur Amtsverwaltung Bigge.

1858 Dem Freiherrn von Fürstenberg wird die Baugenehmigung für das Jagdschloß von der Gemeinde erteilt.

1868 Dem großen Brand in Siedlinghausen fallen eine große Anzahl Häuser zum Opfer.

1876 Der Schützenverein und der Gesangverein wurden gegründet.

1880 Die Anstellung eines Rendanten für den gesamten Amtsbezirk Bigge wird abgelehnt, (da Siedlinghausen schon über 50 Jahre eine eigene Gemeindekasse hat und nur unnötiger Zeitverlust und Unkosten entstehen würden.

1888 Die Anschaffung einer neuen Feuerspritze wird abgelehnt, da von den 118 Wohnhäusern sich nur ein strohgedecktes Gebäude im Ausgang des Dorfes befindet, Besondere Feuergefahr besteht daher nicht. Erst 1894 wird die Anschaffung einer neuen Feuerspritze beschlossen.

1891 Wurde die SGV-Abteilung gegründet.

1899 Dem Arzt Dr. Suren werden jährlich 300 Mark bewilligt. Dafür übernimmt er die Armenpraxis.

1910 Wurde die Kolpingsfamilie als Katholischer Gesellenverein gegründet.

1914 - 1918 Im ersten Weltkrieg sind 48 Siedlinghausener gefallen.

1939 - 1945 Im zweiten Weltkrieg haben wir 58 Gefallene und 32 Vermißte zu beklagen.

1945 Anfang April erreichte das Kriegsgeschehen auch unser Dorf. Lehrer Kramer als Volkssturmmann wurde durch Artilleriebeschuß tödlich getroffen. Die Häuser Karl Schulte (Kremers) und Ludwig Steinrücke (Lüttekens) sowie die Scheune von Viktor Schulte (Niggen) in Brand geschossen und etwa 20 Häuser - vornehmlich im Unterdorf - wurden mehr oder weniger durch Beschuß beschädigt.

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Handel/Gewerbe

Der Grund und Boden ist wenig ertragreich, nur die Weidewirtschaft warf einigen Gewinn ab. Daher gab es schon früh eine beachtliche Eisenindustrie in Siedling- hausen. Urkundlich wird diese schon 1314 erwähnt.

Zu dieser Eisenindustrie gehörten Schmelzhütten, Eisenhämmer und Schmieden. Die Schmelzhütten waren dort, wo sich Eisenstein vorfand. Eine war im Tal der Renau, desgleichen eine in der Birau. Eine weitere, die sogenannte "Osenmundes Hüttestede" in der Elftert (1500) sowie die Hütte in Siedlinghausen - "Auf der Hütte", 1567 erstens erwähnt - 1717 erneuert.

Daneben gab es vier Eisenhämmer:

- einen Hammer in der Birau

- einen Hammer über dem Dorfe (beim früheren E-Werk)

- einen Hammer unter dem Dorfe ("Am Hammer") und

- einen Hammer in der Hamekebike, den 1696 der Richter Weise aufbaute.

Es wurden damals Hufeisen, Radschienen, Scheren, Messer, Äxte, Hacken und vor allem Sensen und Nägel angefertigt.

Im ersten Weltkrieg, als Eisenerze knapp wurden, hat man von der Schlackenhalde in der Renau zur weiteren Ausnutzung allein 120 Waggons für die Eisenhütten im Ruhrgebiet verladen.

Seit 1830 begann der Verfall der Eisenindustrie.

Durch die Eisenindustrie, besonders durch die Anfertigung von Sensen und Sicheln, entstand ein lebhafter Hausierhandel mit diesen Geräten. Im Jahre 1764 lebten 10% der männlichen Bevölkerung, zeitweilig noch mehr von diesem Handel. 1920 waren von 1200 Einwohnern 60 Handelsleute in Siedlinghausen. Siedlinghausener Handelsleute kamen in die fernsten Gegenden Deutschlands und darüber hinaus ins Ausland.

1754 wird neben der eigentlichen Mühle auch eine Öl- und Sägemühle genannt. Neben weiteren Sägemühlen bestanden auch zwei Faßdaubenfabriken. Eine lag in der Nähe der Birau - Schwindelheim - welche aus unbekannter Ursache abbrannte.

Neben dem Handel - heute auf nicht selbst erzeugte Verkaufsgegenstände be- schränkt - sind die holzverarbeitende Industrie (Pfeifen- und Kleinmöbelfabriken), Basalt- und Schieferbrüche und der in den letzten Jahren stark anwachsende Fremdenverkehr die Haupterwerbsquellen der fast 2000 Einwohner zählenden Gemeinde.

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Kirche

Die älteste christliche Kulturstätte unserer engeren Heimat ist die Kapelle zu Brunskappel, die vom hl. Bruno um 980 erbaut wurde. 1072 wurde diese Kapelle dem Kloster Grafschaft in seelsorgerischer Beziehung unterstellt.

Die nächstälteste Pfarrkirche unserer Gegend ist die Negerkirche. Sie wird zuerst um 1310 erwähnt und war die ärmste Kirche des Dekanates Wormbach. Auch diese wurde von Grafschaft mit Pfarrern versorgt. Die Dörfer Neger, Renninghausen, Rollinghausen und Remlinghausen gehörten zum Pfarrbezirk. Diese Dörfer sind mit der Kirche um 1500 eingegangen. Die Bewohner zogen nach Siedlinghausen oder Silbach. Nur die Silbacher haben noch eine Zeit lang danach ihre Toten auf dem Friedhof der Negerkirche begraben. Noch heute heißt der Weg von Silbach in die Renau Totenweg.

Im Jahre 1739 wurde in Siedlinghausen eine Kapelle gebaut. jedoch erst 1754 wurde hier eine Seelsorgestelle eingerichtet, zur Pfarrei Brunskappel und Meschede gehörig. Die Toten wurden bis zum Jahre 1874 auf dem Kirchhof der Pfarrei Brunskappel bestattet. Am 23. Juni 1874 wurde der neue Friedhof in Siedlinghausen eingeweiht.

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Entwicklung des Dorfes

Siedlinghausen wird 1314 erstmals urkundlich erwähnt. Von der Größe des Dorfes liegen aus dieser Zeit keine Angaben vor. Es kann nur klein gewesen sein.

Nach den genannten Urkunden sind damals - also Anfang 1300 wenigstens 8 Bauernhöfe und 1 Mühle vorhanden.

Im Jahre 1380 wird der Ort Wolferinghausen nach Siedlinghausen eingemeindet. Seit 1380 steht nämlich das Gut Siedlinghausen auf dem Wolfhagen. Aus Anfang 1500 (1536) liegen Berichte vor, wonach in Siedlinghausen ca. 25 Wohnstätten gestanden haben (mit etwa 200 Einwohnern). Um 1500 sind die Dörfer Neger und Renninghausen eingegangen, die restlichen Bewohner, wie wir bereits gelesen haben, nach Siedlinghausen und Silbach verzogen.

Gegen Ende 1500 (1563) wird von 30 Wohnstätten mit ca. 250 Einwohnern berichtet.

In den nächsten 100 Jahren hat unser Dorf einen größeren Sprung gemacht, denn gegen Ende 1600 (1685) bestehen 46 Wohnstitten mit ca. 450 Einwohnern, während in den weiteren 100 Jahren, also von 1700 bis 1800 unser Dorf nicht gewachsen ist, denn 1818 ist die Einwohnerzahl gleich groß, sie wird mit 447 angegeben.

Von nun an, ab 1818 erfolgt der große Aufschwung in Siedlinghausen, denn schon 1864 hat sich die Einwohnerzahl verdoppelt. Wir hatten damals 888 Einwohner in 121 Häusern (einschließlich 3 Evangelische und 11 Juden). Bis zur Jahrhundert- wende stieg dann die Einwohnerzahl auf ca. 1000 an. 1939, vor dem letzten Krieg, zählte Siedlinghausen 1316 Einwohner. Diese Zahl stieg nach dem Krieg, im Jahre 1950, auf 2128 an, darunter waren 598 Flüchtlinge bzw. Vertriebene. In den 50er Jahren wanderten viele Ostvertriebene wieder weg, so daß wir 1960 1907 Einwohner zählten. Im Jahre 1972 hatte Siedlinghausen 2039 Einwohner.

Die Landeshoheitsrechte unserer Heimat, also auch unseres Dorfes, wechselten im Laufe der Jahrhunderte. Sie wurden mittelbar oder unmittelbar ausgeübt durch den Arnsberger Grafen, die Erzbischöfe von Köln, den Grafen von Waldeck, den Herren von Grafschaft, den Landgrafen von Hessen­Darmstadt, dem Herzogtum Westfalen, bis daß letzteres dann 1816 zum Königreich Preußen kam.

Auf geschichtliche Einzelheiten dieser alten Zeit sowie der neueren, die uns weitgehendst bekannt ist, einzugehen, dürfte zu weit führen. Festzuhalten ist, daß die Gemeinde Siedlinghausen nach jahrelangen Mühen um die Erhaltung der Selbständigkeit nunmehr am 1. Januar 1975 in die Großgemeinde der Stadt Winterberg eingegliedert wurde.

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